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Wie lange dauert es, bis man schwanger wird? Zahlen und Tipps

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Geprüft von Sarah Thomas, Fertilitätsspezialistin · 29. August 2026

Wie lange dauert es, bis man schwanger wird? Bei den meisten Paaren weniger als ein Jahr. Die AOK schreibt dazu: "Etwa ein Drittel der Paare probiert es jedoch länger als ein Jahr, bis die Frau schwanger wird." Im Umkehrschluss heißt das: bei rund zwei Dritteln klappt es innerhalb eines Jahres. Internationale Kohortenstudien kommen auf ähnliche, teils etwas höhere Werte: In einem europäischen Modell aus 782 Paaren waren je nach Alter der Frau 82 bis 92 Prozent nach 12 Zyklen schwanger (Dunson, Baird und Colombo, Obstetrics and Gynecology, 2004, auf Englisch). Die deutschen Angaben liegen niedriger: Die BIÖG nennt für ein Jahr 75 Prozent der 30-jährigen, 66 Prozent der 35-jährigen und 44 Prozent der 40-jährigen Frauen, die S2k-Leitlinie 015-085 circa 80 Prozent über alle Altersgruppen. Nimm die niedrigeren Zahlen als die vorsichtigere Lesart.

Pro Zyklus liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft laut AOK bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren bei ungefähr 30 Prozent. Wartezeiten sind also durchaus normal.

Ehrlich gesagt hören die meisten Seiten genau hier auf. Das ist die Datenseite: nach Monat, nach Alter und mit Insemination, für alle, die so versuchen, schwanger zu werden. Die menschliche Seite steht in unserer Geschichte über den Anfang beim Kinderwunsch.


Wie lange dauert es im Schnitt, bis man schwanger wird? (Die wichtigsten Zahlen)

Je nach Alter der Frau werden 82 bis 92 Prozent der Paare innerhalb von 12 Zyklen schwanger, wenn sie regelmäßig ungeschützten Sex haben, so das europäische Modell aus 782 Paaren von Dunson, Baird und Colombo (2004, auf Englisch). Das Modell geht von Sex zweimal pro Woche aus und deckt nur Frauen von 19 bis 39 Jahren ab.

Das zweite Jahr zählt mehr, als die meisten denken: Nach demselben Modell werden von den Paaren, die im ersten Jahr nicht schwanger werden, viele es im zweiten Jahr, mit einer kumulativen Rate von 90 bis 98 Prozent nach 24 Zyklen, wieder je nach Alter.

Zur Einordnung: Die deutsche S2k-Leitlinie "Diagnostik und Therapie vor einer medizinisch assistierten Reproduktionsbehandlung" (AWMF-Register-Nr. 015-085, Version 2.0, Stand 1. April 2026, gültig bis 31. März 2031) ist die fachliche Richtschnur für deutsche Kinderwunschzentren. Sie nennt als Ausgangszahl: "In 12 Monaten mit ungeschütztem regelmäßigem Geschlechtsverkehr tritt bei circa 80% der Paare eine Schwangerschaft ein, sodass bei etwa 5-15% der Paare eine weiterführende Diagnostik notwendig wird." Als Definition nennt dieselbe Leitlinie das Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von 12 Monaten oder mehr.


Wie hoch sind die Chancen, jeden Monat schwanger zu werden? (Die Tabelle nach Zyklus)

Deine Chance ist in den ersten Zyklen am höchsten, bei gut getimtem Sex etwa 30 bis 38 Prozent pro Zyklus, und sinkt danach. In einer US-Studie mit 200 Paaren (Zinaman, Fertility and Sterility, 1996, auf Englisch) lag die Rate in den ersten beiden Zyklen bei etwa 30 Prozent und sank danach, mit 82 Prozent Schwangerschaften über 12 Zyklen hinweg.

Die detailliertesten Monatszahlen stammen aus einer deutschen Studie mit 340 Frauen (Gnoth, Human Reproduction, 2003, auf Englisch veröffentlicht), die mit natürlicher Familienplanung den Sex timten und ab ihrem allerersten Zyklus begleitet wurden. 38 Prozent waren nach 1 Zyklus schwanger, 68 Prozent nach 3, 81 Prozent nach 6 und 92 Prozent nach 12.

Diese Paare timten den Sex sehr genau, daher sind das eher die oberen Werte als der Durchschnitt. In der Tabelle bedeutet "Zyklus" ein Menstruationszyklus, was die Studien ungefähr einem Monat gleichsetzen.

Wie lange schon Kumulative Schwangerschaftschance Wer und wie gemessen Quelle
1 Zyklus 38% 340 deutsche Frauen, Sex mit natürlicher Familienplanung getimt Gnoth 2003 (auf Englisch)
1 Zyklus Etwa 30% (höchste Rate pro Zyklus) 200 US-Paare, Sex um den vorhergesagten Eisprung Zinaman 1996 (auf Englisch)
3 Zyklen 68% dieselbe deutsche Kohorte Gnoth 2003 (auf Englisch)
6 Zyklen 81% dieselbe deutsche Kohorte Gnoth 2003 (auf Englisch)
6 Zyklen 56 bis 62% (21 bis 36 Jahre) 2.962 nordamerikanische Paare, kein vorgegebenes Timing Wesselink 2017 (auf Englisch)
12 Zyklen bzw. 1 Jahr 82 bis 92%, je nach Alter (19 bis 39 Jahre) europäisches Modell aus 782 Paaren, Sex zweimal pro Woche angenommen Dunson 2004 (auf Englisch)
12 Zyklen bzw. 1 Jahr Etwa ein Drittel der Paare versucht es länger als ein Jahr (AOK-Wortlaut; die Zwei-Drittel-Lesart ist unsere Umkehrung) deutsche Paare, AOK-Angabe AOK-Gesundheitsmagazin
12 Zyklen 92% dieselbe deutsche Kohorte Gnoth 2003 (auf Englisch)
24 Zyklen bzw. 2 Jahre 90 bis 98%, je nach Alter europäisches Modell aus 782 Paaren Dunson 2004 (auf Englisch)

Tabelle: kumulative Schwangerschaftschance nach Versuchsdauer. Quellen: Gnoth 2003, Zinaman 1996, Wesselink 2017 und Dunson, Baird und Colombo 2004 (alle auf Englisch), sowie die AOK. Die Studien haben unterschiedliche Paare auf unterschiedliche Weise gemessen, deshalb weichen die Zahlen voneinander ab.

Die Chance ist nicht jeden Monat gleich hoch bei 25 Prozent. Die fruchtbarsten Paare werden zuerst schwanger und fallen aus der Gruppe der noch Wartenden heraus, sodass der Durchschnitt unter den verbleibenden Paaren sinkt. Deshalb erreichen die deutschen Zahlen 81 Prozent nach 6 Zyklen, aber nur 92 Prozent nach 12.

Infografik: Wie lange dauert es, schwanger zu werden, kumulative Chance nach Zyklus, 38 bis 92 Prozent bis Zyklus 12, mit den niedrigeren deutschen BIÖG-Angaben

Eine britische Kohortenstudie fand ein ähnliches Muster: In 8.515 geplanten Schwangerschaften in der Region Bristol (Ford, Human Reproduction, 2000, auf Englisch) waren 74 Prozent innerhalb von 6 Monaten oder weniger entstanden, 14 Prozent im zweiten Halbjahr und 12 Prozent nach mehr als einem Jahr. Die Studie zählte nur Frauen, die tatsächlich schwanger wurden.

Zum Timing: Laut DEXIMED ist bei Geschlechtsverkehr alle 2 bis 3 Tage kein weiteres Timing nötig. Unser Ratgeber zur besten Zeit, um schwanger zu werden, geht auf das fruchtbare Fenster genauer ein.

👉 Wenn du im vierten oder fünften Monat bist und noch nichts passiert ist, liegst du immer noch klar im normalen Bereich.


Wie verändert das Alter, wie lange es dauert, schwanger zu werden? (Die Tabelle nach Alter)

Die Chance, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden, sinkt von 92 Prozent bei 19 bis 26 Jahren auf 82 Prozent bei 35 bis 39 Jahren, laut dem europäischen Modell aus 782 Paaren von Dunson, Baird und Colombo (2004, auf Englisch). Das Modell geht von Sex zweimal pro Woche aus und deckt nur Frauen von 19 bis 39 Jahren ab. Der Rückgang vor 40 ist kleiner, als die meisten annehmen: Nach zwei Jahren zeigt dasselbe Modell 98 Prozent bei 19 bis 26 Jahren und immer noch 90 Prozent bei 35 bis 39 Jahren.

Für Details ab 30 Jahren liefert Steiner und Jukic (Fertility and Sterility, 2016, auf Englisch) Zahlen von 960 US-amerikanischen Frauen zwischen 30 und 44 Jahren ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme. Dort waren 87 Prozent der 30- bis 31-Jährigen innerhalb von 12 Zyklen schwanger, gegenüber 76 Prozent bei 36 bis 37 und 71 Prozent bei 38 bis 39 Jahren. Die mittlere Zeit bis zur Schwangerschaft lag bei 3 Monaten für Frauen unter 38.

Alter der Frau Schwanger innerhalb von 12 Zyklen (1 Jahr) Schwanger innerhalb von 24 Zyklen (2 Jahre)
19 bis 26 92% 98%
27 bis 29 87% 95%
30 bis 34 86% 94%
35 bis 39 82% 90%

Tabelle: Dunson, Baird und Colombo 2004 (auf Englisch).

Die deutschen Zahlen liegen niedriger. Die BIÖG nennt für einen Jahreszeitraum bei regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr 75 Prozent der 30-jährigen, 66 Prozent der 35-jährigen und 44 Prozent der 40-jährigen Frauen, und die S2k-Leitlinie 015-085 nennt circa 80 Prozent über alle Altersgruppen in 12 Monaten. Die Werte aus dem europäischen Modell oben gelten für Paare, die zweimal pro Woche Sex haben; die deutschen Angaben sind Durchschnittswerte über alle Paare. Nimm die niedrigeren Zahlen als die vorsichtigere Lesart.

Alter der Frau Chance pro Zyklus Schwanger innerhalb von 6 Zyklen Schwanger innerhalb von 12 Zyklen
30 bis 31 19,5% im Schnitt 77% 87%
32 bis 33 20,9% 76% 88%
34 bis 35 16,2% 71% 82%
36 bis 37 14,5% 69% 76%
38 bis 39 13,2% 62% 71%
40 bis 41 (nur 37 Frauen) 8,6% 47% 54%
42 bis 44 (nur 14 Frauen) 6,6% 29% 48% (95%-Konfidenzintervall 24 bis 80%)

Tabelle: Steiner und Jukic 2016, Tabelle 2 (auf Englisch). Die Studie liefert keine Zahlen jenseits von 12 Zyklen.

Und wie sieht es mit einer Schwangerschaft ab 40 aus?

Bei 40 bis 41 Jahren wird ungefähr die Hälfte der Frauen innerhalb eines Jahres schwanger, mit großer Unsicherheit, weil jede Studie in diesem Alter nur kleine Fallzahlen hat. Steiner und Jukic fanden 54 Prozent Schwangerschaften innerhalb von 12 Zyklen bei 40 bis 41 Jahren und 48 Prozent bei 42 bis 44, mit einer mittleren Zeit bis zur Schwangerschaft von 8 Monaten bei 40 bis 41 Jahren. Das Dunson-Modell deckt nur Frauen bis 39 Jahre ab. Die deutsche S2k-Leitlinie 015-085 ist hier eindeutig: Die Abklärung soll nach 12 Monaten bei Frauen unter 35 Jahren und nach 6 Monaten bei Frauen über 35 Jahren erfolgen, und Frauen über 40 sollen umgehend eine diagnostische Abklärung an einem reproduktionsmedizinischen Zentrum erhalten. Die BIÖG nennt für 40-jährige Frauen 44 Prozent innerhalb eines Jahres. Mit 40 ein ganzes Jahr abzuwarten ist also die falsche Strategie: Vereinbare den Termin jetzt, unabhängig davon, wie lange ihr es schon versucht.

Das Alter des Mannes spielt ebenfalls eine Rolle, wenn auch eine kleinere: Nach demselben Modell steigt der Anteil der Paare, die nach 12 Zyklen noch nicht schwanger sind, von geschätzt 18 auf 28 Prozent, wenn der Mann zwischen 35 und 40 Jahre alt ist (Dunson et al. 2004, auf Englisch).

Wenn du die Zahlen lieber erklärt bekommen möchtest: Im Format Eltern ABC des Elternmagazins ELTERN erklärt Prof. Dr. Georg Griesinger von den Universitären Kinderwunschzentren Lübeck und Manhagen in diesem Video von 2019, wie wahrscheinlich eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres ist und ab wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist. Zwei Hinweise dazu: Das Video nennt als Faustregel "nach einem Jahr, maximal zwei Jahren" und ist damit später als die deutschen Wartezeiten weiter unten in diesem Ratgeber (AOK: ab 32 Jahren nach einem halben Jahr; S2k-Leitlinie 015-085: über 35 nach 6 Monaten, über 40 umgehend). Und neuere Zahlen wie die von Steiner und Jukic kommen in einem Video von 2019 nicht vor.


Wie lange dauert es mit Insemination oder Samenspende? (Die Zahlen, die die meisten Seiten auslassen)

Für Insemination in Deutschland gibt es keine einheitlichen aktuellen Zahlen: die BIÖG schreibt, dass es "bei etwa jeder zehnten Insemination zu einer Schwangerschaft" kommt, "wenn das Sperma direkt in die Gebärmutter gebracht wird", während DEXIMED 15 bis 20 Prozent pro Zyklus angibt, kumulativ maximal 35 bis 40 Prozent über 3 bis 4 Inseminationszyklen. Die beiden Angaben liegen nicht weit auseinander, messen aber Unterschiedliches: die BIÖG pro Insemination, DEXIMED pro Zyklus, und keine schlüsselt nach Alter auf. Wichtig für die Heiminsemination: Zu den Erfolgschancen einer Insemination "mit Kappe oder Spritze gibt es" nach derselben BIÖG-Seite "keine aktuellen aussagekräftigen Erhebungen".

Eine unserer echten Geschichten handelt genau davon: Zwei Mütter, ein Spender, positiv im 3. Versuch.

Die detailliertesten Zahlen zur Insemination an sich stammen aus zwei historischen Klinikkohorten donogener Insemination in den Niederlanden und in Frankreich, bei Frauen, die noch nie entbunden hatten und deren Partner keine Spermien im Ejakulat hatten. In der niederländischen Kohorte lag die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nach 12 Zyklen bei 0,74 für Frauen von 20 bis 31 Jahren und bei 0,54 für Frauen über 31, nach 24 Zyklen bei 0,85 und 0,75 (van Noord-Zaadstra et al., BMJ, 1991, auf Englisch). Die französische CECOS-Kohorte mit 2.193 Frauen nennt über 12 Zyklen 73 Prozent bei Frauen unter 31, 61 Prozent bei 31 bis 35 und 54 Prozent bei über 35 (Schwartz und Mayaux, New England Journal of Medicine, 1982, auf Englisch). Beide Studien veröffentlichen keine Zwischenwerte nach 6 Zyklen, deshalb stehen hier nur die Punkte, die in den Studien tatsächlich gedruckt sind.

Alter der Frau 12 Zyklen 24 Zyklen Kohorte
20 bis 31 74% 85% 751 Frauen, donogene Insemination, Niederlande (van Noord-Zaadstra 1991)
Über 31 54% 75% dieselbe
Unter 31 73% keine Angabe 2.193 Frauen, donogene Insemination, CECOS Frankreich (Schwartz und Mayaux 1982)
31 bis 35 61% keine Angabe dieselbe
Über 35 54% keine Angabe dieselbe

Tabelle: kumulative Schwangerschaftschance mit donogener Insemination in zwei historischen Klinikkohorten. Quellen: van Noord-Zaadstra et al. 1991 und Schwartz und Mayaux 1982 (beide auf Englisch). Beide Studien veröffentlichen nur die hier gezeigten Punkte, keine Werte nach 6 Zyklen.

Für Deutschland gibt es Zahlen zur donogenen Insemination in der Klinik, aber pro Insemination statt kumulativ über mehrere Zyklen. Das D·I·R-Jahrbuch 2024 des Deutschen IVF-Registers (Seite 50, plausible Daten 2019 bis 2023) nennt:

Alter der Frau Klinische Schwangerschaft pro Insemination Geburt pro Insemination Inseminationen
25 bis 29 17,7% 15,4% 1.481
30 bis 34 18,6% 15,9% 4.980
35 bis 39 15,3% 11,4% 5.333
40 bis 44 9,4% 5,7% 1.752

Tabelle: donogene Insemination in deutschen Kinderwunschzentren, pro Insemination. Quelle: D·I·R-Jahrbuch 2024, Seite 50. Eine kumulative deutsche Kurve über mehrere Zyklen veröffentlicht das Register nicht.

  • Die Zahlen oben sind die am nächsten liegenden veröffentlichten Zahlen zur Heiminsemination, aber sie sind keine Heiminsemination-Daten: Es handelt sich um Klinikdaten mit Spendersamen bei Frauen, deren Partner unfruchtbar waren. Zur Insemination mit Kappe oder Spritze gibt es nach der BIÖG "keine aktuellen aussagekräftigen Erhebungen".
  • Für Deutschland konkret gilt: Die BIÖG nennt etwa jede zehnte Insemination als erfolgreich, wenn das Sperma direkt in die Gebärmutter gebracht wird, DEXIMED nennt 15 bis 20 Prozent pro Zyklus, und das D·I·R-Register nennt 9,4 bis 18,6 Prozent pro donogener Insemination je nach Alter. Frag deine Frauenarztpraxis oder dein Kinderwunschzentrum nach den eigenen Erfolgsraten, die je nach Klinik und Methode variieren.

Wann solltest du zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt? (Die deutschen Anlaufstellen)

Nach AOK gilt: unter 28 Jahren kannst du gut anderthalb Jahre warten, zwischen 28 und 32 Jahren wird eine Untersuchung nach etwa einem Jahr empfohlen, und über 32 Jahren schon nach einem halben Jahr. Die BIÖG formuliert es einfacher: ein Jahr gilt medizinisch als normale Wartezeit, ab 35 Jahren schon nach 6 Monaten. Die deutsche S2k-Leitlinie 015-085 setzt die Schwelle bei 12 Monaten unter 35 Jahren, 6 Monaten über 35 Jahren und "umgehend" bei Frauen über 40. Die Quellen setzen die Altersgrenze nicht exakt gleich (32, 35, 40), es sind aber alle drei deutsche Quellen, und alle zeigen die gleiche Richtung: je älter, desto früher lohnt sich der Termin.

Eines vorweg, unabhängig von jeder Wartezeit: Wenn du eine chronische Erkrankung hast, wende dich schon vor einer Schwangerschaft an deine Ärztin oder deinen Arzt und lass deine Medikamente überprüfen. Die BIÖG ist hier eindeutig: "Setzen Sie diese nicht ab, ohne das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen." Und wenn eine Chemo- oder Strahlentherapie ansteht, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann, gilt nach dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: die Frage "so früh wie möglich" klären, "am besten vor Beginn" der Behandlung.

Deine Situation Wann sich ein Termin lohnt Quelle
Unter 28 Jahre, kein bekannter Grund Nach etwa anderthalb Jahren AOK
28 bis 32 Jahre Nach etwa einem Jahr AOK
Über 32 Jahre Nach einem halben Jahr AOK
Allgemeine Faustregel, alle Altersgruppen Nach einem Jahr, ab 35 Jahren nach 6 Monaten BIÖG (familienplanung.de)
Über 40 Jahre Umgehend, unabhängig davon, wie lange ihr es schon versucht S2k-Leitlinie 015-085
Sex ist nicht oder nur schwer möglich, ohne Partner oder in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung Gleich zu Beginn ein Beratungsgespräch, nicht erst nach einer Wartezeit BIÖG, S2k-Leitlinie 015-085
Bekannte Vorerkrankung oder mehrere Fehlgeburten Früher, individuell mit der Praxis besprechen AOK, BIÖG

Tabelle: wann sich ein Arzttermin bei Kinderwunsch lohnt. Quellen: AOK-Gesundheitsmagazin, BIÖG, familienplanung.de/wartezeiten, BIÖG zur Insemination und die S2k-Leitlinie 015-085.

Infografik: Wann zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt bei Kinderwunsch, deutsche Wartezeiten nach Alter, über 40 Jahre umgehend

Wenn Sex nicht oder nur schwer möglich ist, oder wenn du ohne Partner oder in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung versuchst, schwanger zu werden, lohnt sich das Beratungsgespräch gleich zu Beginn statt nach einer Wartezeit. Die BIÖG nennt genau das als Anlass für eine Insemination: "bei Frauen ohne Partner, bei lesbischen Frauen", bei Erektionsstörungen und "bei Asexualität oder fehlendem Geschlechtsverkehr aus psychologischen Gründen". Die S2k-Leitlinie 015-085 schreibt für Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen dieselben Abklärungsschritte vor. Das ist in Deutschland kein Randfall: Nach dem D·I·R-Jahrbuch 2024 gingen 2024 36,2 Prozent der donogenen Inseminationen auf lesbische Paare und 27,5 Prozent auf alleinstehende Frauen zurück.

Die Regel "6 Monate ab 35" kennst du vielleicht aus amerikanischen Quellen: die ASRM empfiehlt eine Abklärung nach 6 Monaten, wenn die Frau 35 Jahre oder älter ist. Die deutschen Quellen kommen auf dieselbe Schwelle, und zwar nicht nur als Faustregel einer Krankenkasse: Die S2k-Leitlinie 015-085 nennt 6 Monate bei Frauen über 35, die AOK zieht die Grenze schon bei 32 Jahren.

Zu bekannten Ursachen nennt die AOK Erkrankungen, die die Fortpflanzungsorgane betreffen, zum Beispiel Endometriose bei der Frau oder ein Hodenhochstand beim Mann, als Gründe für Fruchtbarkeitsstörungen. Wörtlich: "Wenn Ihnen medizinische Probleme bekannt sind oder Sie mehrere Fehlgeburten hatten, ist es ratsam, auch schon früher mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt zu sprechen." Die AOK nennt auf derselben Seite außerdem eine "Chlamydien-Infektion: der häufigste Grund für eine Fruchtbarkeitsstörung bei Männern und Frauen" und hormonelle Störungen, "zum Beispiel aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen".

Was sonst als bekannte Ursache gilt, sagen die deutschen Quellen deutlicher als die AOK-Seite allein. Die BIÖG nennt bei der Frau als Ursachen verschlossener Eileiter "Entzündungen (etwa durch eine Chlamydien-Infektion), vorangegangene Eileiterschwangerschaften, Operationen oder Endometriose" und beim Mann Hodenentzündungen, "beispielsweise durch Mumps", eine Varikozele, einen Hodenhochstand und eine Verengung der Samenleiter "als Folge einer Operation oder einer Infektion mit Chlamydien". Die S2k-Leitlinie 015-085 führt in ihrer andrologischen Anamnese zusätzlich Hodentorsionen und Operationen wie Orchidopexie, Leistenbruch- oder Varikozelenoperationen auf, ebenso eine "Mumpsinfektion oder andere systemische Infektionen mit Begleitorchitis". Wenn eines davon auf dich oder deinen Partner zutrifft, sprich es in der Praxis direkt an, statt auf eine der Wartezeiten oben zu warten.

Ob eine Fehlgeburt die Wartezeit zurücksetzt, regelt in Deutschland keine feste Regel, die wir belegen könnten. Frag das direkt in der Praxis nach.

Am besten geht ihr gemeinsam hin: Nach AOK haben 3 bis 4 von 10 Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch eine biologische Ursache bei einem der beiden Partner, bei jedem fünften Paar sind beide betroffen, und bei 10 bis 15 Prozent findet sich keine konkrete Ursache. Für die männliche Seite: ob eine Spermaanalyse sinnvoll ist.


Ausprobieren: Wo stehst du auf der Kurve? (Ein kurzes Tool)

Das Tool bringt die Tabellen oben auf deine eigene Situation. Es zeigt nur Zahlen, die tatsächlich veröffentlicht sind, und es sagt ehrlich, wo eine Studie keinen Punkt liefert. Außerdem nennt es die deutschen Schwellen dafür, ab wann sich ein Termin lohnt.

Wo stehe ich auf der Kurve?

Wähle, wie ihr es versucht, dein Altersband und wie lange es schon läuft. Du bekommst die veröffentlichten Zahlen aus den Tabellen dieses Ratgebers und den Punkt, ab dem sich ein Arzttermin lohnt. Das ist eine Zahl auf einer Bevölkerungskurve, keine Vorhersage für dich, und keine Diagnose.

Wie versucht ihr es?

4 Monate

Wähle oben deine Angaben, um die veröffentlichten Zahlen zu sehen. Lädt das Tool nicht, stehen alle verwendeten Zahlen in den Tabellen dieses Ratgebers.

 


Was, wenn es schon mehr als ein Jahr ist? (Viele Paare werden trotzdem noch schwanger)

Viele Paare, die nach einem Jahr noch nicht schwanger sind, werden es trotzdem noch ohne Behandlung: Nach dem europäischen Modell werden, je nach Alter, in den folgenden 12 Zyklen zwischen 43 und 63 Prozent von ihnen schwanger (Dunson, Baird und Colombo, 2004, auf Englisch). Dieselbe Studie schätzte echte Unfruchtbarkeit auf etwa 1 Prozent in jedem untersuchten Alter.

Eine feste Regel wie "erst nach 2 Jahren behandeln" gibt es in Deutschland nicht, die wir belegen könnten. Maßgeblich ist die 12-Monats-Definition: Die S2k-Leitlinie 015-085 beschreibt Infertilität als das Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über 12 Monate oder mehr, und ihre Abklärungsschwellen sind 12 Monate unter 35, 6 Monate über 35 und umgehend über 40. Frag deine Praxis, was für euch gilt.

Das ist kein Grund, den Arzttermin hinauszuzögern, denn die Chancen sinken mit der Zeit. Nach der S2k-Leitlinie 015-085 wird bei etwa 5 bis 15 Prozent der Paare eine weiterführende Diagnostik notwendig. Wie verbreitet ein unerfüllter Kinderwunsch ist und wo die Ursachen liegen, steht im Abschnitt zur Frauenärztin weiter oben.

Du bist damit also nicht allein. Wir haben einen eigenen Beitrag dazu, warum es nicht klappt, wenn es schon Jahre dauert.


Häufig gestellte Fragen

Dauert es beim ersten Mal länger, schwanger zu werden?

Es gibt keine eigene deutsche Zahl nur für die erste Schwangerschaft, daher gilt die allgemeine Zahl: je nach Alter werden 82 bis 92 Prozent der Paare innerhalb eines Jahres schwanger. Beim ersten Mal kann es etwas länger dauern: In Steiner und Jukic (2016, auf Englisch) lag die Schwangerschaftsrate nach 12 Zyklen bei 30- bis 31-Jährigen bei 83 Prozent für Frauen, die noch nie schwanger waren, gegenüber 92 Prozent für Frauen mit einer früheren Schwangerschaft. Ein Teil davon ist Selektion: Die zweite Gruppe hat schon gezeigt, dass es bei ihr geklappt hat.

Kann ich nach 1 Woche schon schwanger sein?

Ja, wenn diese Woche dein fruchtbares Fenster einschließt. Nach Wilcox (1995, auf Englisch) entstand eine Schwangerschaft nur, wenn der Sex in den sechs Tagen bis einschließlich dem Eisprung stattfand. Bestätigen kannst du es in dieser Woche aber nicht: Nach BIÖG können Spermien bis zu 5 Tage im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter überleben, zusammen mit dem Eisprungtag also ein Fenster von 6 Tagen, und die Einnistung erfolgt erst danach: nach dem BIÖG-Lexikon beginnt sie "zwischen dem fünften und sechsten Tag nach der Befruchtung", nach Wilcox 1999 (auf Englisch) 6 bis 12 Tage nach dem Eisprung, bei 84 Prozent der weitergehenden Schwangerschaften an Tag 8, 9 oder 10. Messbar wird hCG laut BIÖG "ungefähr ab dem zehnten Tag nach der Befruchtung der Eizelle".

Merke ich nach 1 Tag schon, dass ich schwanger bin?

Nein. Einen Tag nach Sex oder Insemination gibt es noch nichts zu messen, und die Befruchtung hat möglicherweise noch nicht einmal stattgefunden, weil Spermien laut BIÖG bis zu 5 Tage überleben können. Schwangerschaftstests messen das Hormon hCG, und laut BIÖG ist das Testergebnis "sehr sicher ab dem Tag, an dem die Menstruation eigentlich kommen sollte". Unser Ratgeber, wann ein Schwangerschaftstest nach dem Eisprung sinnvoll ist, hat die ganze Zeitleiste.

Wie schnell entwickelt sich eine Schwangerschaft?

Sex oder Insemination in den sechs Tagen bis zum Eisprung, dann Befruchtung, dann Einnistung: nach dem BIÖG-Lexikon "zwischen dem fünften und sechsten Tag nach der Befruchtung", nach Wilcox 1999 (auf Englisch) 6 bis 12 Tage nach dem Eisprung und bei 84 Prozent der weitergehenden Schwangerschaften an Tag 8, 9 oder 10. Eine Schwangerschaft wird ab dem ersten Tag der letzten Periode gezählt, nicht ab der Befruchtung, daher läuft die Wochenzählung der Realität etwas voraus. In der 4. Schwangerschaftswoche ist der Embryo laut BIÖG "noch winzig klein und kaum größer als ein Mohnsamen".


Was die Tabellen nicht zeigen können (der menschliche Teil)

Eine Tabelle kann sagen: 81 Prozent bis Zyklus 6. Sie kann nicht sagen, wie es sich anfühlt, wenn der Test wieder negativ ist. Die Chancen stehen länger auf deiner Seite, als es sich anfühlt, und trotzdem ist das Warten schwer.

Also achtet aufeinander, und wenn ihr einen der Punkte oben erreicht, macht den Termin. Es geht nicht ums Aufgeben. Es geht um den nächsten Schritt.


Weiterlesen: Hilfreiche Kinderwunsch-Ratgeber

Diese gehen tiefer auf die Teile der Reise rund um die Zahlen ein:

So schreiben wir. Jeder Maia Baby Artikel entsteht auf Grundlage genannter Quellen, wird mit klinischen Leitlinien abgeglichen und vor der Veröffentlichung von einer qualifizierten Fachkraft geprüft. Wir nehmen kein Geld für Platzierungen an, und kein Produkt erscheint hier, weil eine Marke dafür bezahlt hat. Zuletzt geprüft am 8. September 2026.
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